In der politischen Debatte wird Zuwanderung oft mit einem zentralen Argument verteidigt: Die Schweiz brauche sie wegen der Alterung der Gesellschaft. Ohne stetigen Bevölkerungszuwachs drohten Fachkräftemangel, ein Kollaps der Sozialwerke und ein Ungleichgewicht zwischen Erwerbstätigen und Rentnern.

Ein Blick auf die demografischen Daten zeigt jedoch: Dieses Argument hält einer nüchternen Analyse nur bedingt stand.

Die Schweiz altert deutlich langsamer als die EU

Gemäss den aktuellen demografischen Auswertungen von Eurostat altert die Schweiz langsamer als die Europäische Union insgesamt – und auch langsamer als viele vergleichbare Länder.

Während in zahlreichen EU-Staaten der Anteil der über 65-Jährigen stark zunimmt und die geburtenstarken Jahrgänge bereits voll ins Rentenalter eintreten, verläuft dieser Prozess in der Schweiz moderater. Das betrifft insbesondere:

  • den Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung
  • die Entwicklung der Altersquoten
  • das Verhältnis zwischen jungen und älteren Menschen

Die Schweiz steht demografisch stabiler da als oft suggeriert wird.

Land20142024Änderung
Schweiz17,6 %19,3 %+ 1,7 pp
EU18,7 %21,6 %+ 2,9 pp
Frankreich18,0 %21,4 %+ 3,4 pp
Portugal20,0 %24,1 %+ 4,1 pp
Kroatien18,5 %23,0 %+ 4,5 pp
Slowakei13,5 %18,5 %+ 5,0 pp
Polen14,9 %20,5 %+ 5,6 pp
Anteil der über 65-Jährigen an der GesamtbevölkerungQuelle: Eurostat

Das Verhältnis zwischen Jung und Alt ist solide

Besonders wichtig ist nicht das absolute Alter einer Gesellschaft, sondern das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Nichterwerbstätigen. Auch hier zeigt sich:
Die Schweiz weist im Vergleich zur EU eine günstigere Altersstruktur auf.

Das bedeutet:

  • Die Finanzierung der Sozialwerke ist nicht akut gefährdet
  • Der demografische Druck ist beherrschbar
  • Zeit für Reformen ist vorhanden

Ein demografischer Notstand, der massenhafte Zuwanderung rechtfertigen würde, ist nicht ersichtlich.

Zuwanderung löst strukturelle Probleme nicht

Zuwanderung kann kurzfristig Engpässe abfedern. Langfristig verschiebt sie Probleme jedoch oft nur – oder verschärft sie sogar:

  • steigende Wohnraumnachfrage
  • wachsende Infrastrukturkosten
  • höherer Druck auf Gesundheit, Verkehr und Bildung
  • zusätzliche Staatsausgaben

Gerade in einem Land mit begrenztem Raum wie der Schweiz sind diese Effekte besonders spürbar. Bevölkerungswachstum erzeugt neue Abhängigkeiten, statt bestehende Herausforderungen nachhaltig zu lösen.

Warum die Zuwanderung gesteuert werden soll

Die Nachhaltigkeitsinitiative setzt genau an diesem Punkt an. Sie stellt nicht die Frage nach Abschottung, sondern nach Steuerung und Verantwortung.

Sie anerkennt:

  • dass die Schweiz demografisch stabiler ist als behauptet
  • dass unbegrenztes Wachstum reale Kosten verursacht
  • dass Wohnraum, Infrastruktur und Staat nicht beliebig skalierbar sind

Nachhaltigkeit bedeutet, Bevölkerungsentwicklung, Lebensqualität und staatliche Leistungsfähigkeit in Einklang zu bringen.

Fazit

Die Schweiz altert – aber langsam, kontrolliert und in einem europäischen Vergleich sehr moderat. Das Verhältnis zwischen Jung und Alt ist stabil. Es besteht kein demografischer Zwang zu dauerhaft hohem Bevölkerungswachstum.

Gerade deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die Entwicklung bewusst zu lenken.
Nicht aus Angst, sondern aus Verantwortung.

Die Unterstützung der Nachhaltigkeitsinitiative ist ein Schritt hin zu einer Politik mit Mass, Weitsicht und langfristiger Stabilität – im Interesse der Bevölkerung und künftiger Generationen.

Entwicklung seit 2022

Bruttomieten+11 %
Wohneigentumspreise+13 %
Leerstehende Wohnungen-25 %
Reallöhne-2 %
Staustunden+44 %
Arbeitslosigkeit (SECO)+52 %
EU-Bevölkerung in der Schweiz+11 %

Zitat des Monats

«Bis 2026 sind Mietzins-Erhöhungen von über 15 Prozent möglich»

~ Martin Tschirren, Direktor des Bundesamtes für Wohnungswesen