Das Feldschlösschen-Barometer Zusammenhalt 2026 (Sotomo) zeigt ein klares Signal:
Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist vorhanden – aber er steht unter Druck.

Viele Menschen nehmen wachsende Spannungen wahr. Zwischen Stadt und Land. Zwischen politischen Lagern. Und besonders deutlich in der Frage von Migration und Bevölkerungswachstum.

Zuwanderung als Spannungsfaktor

Ein erheblicher Teil der Bevölkerung empfindet die starke Zuwanderung als Problem. Nicht aus Ablehnung gegenüber einzelnen Menschen, sondern wegen der strukturellen Folgen:

  • steigende Mieten
  • knapper Wohnraum
  • überlastete Infrastruktur
  • zunehmender Verkehr
  • Druck auf Schulen und Gesundheitswesen

Wenn das Bevölkerungswachstum schneller steigt als Wohnraum und Infrastruktur angepasst werden können, entstehen reale Verteilungskonflikte. Genau diese Konflikte gefährden den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Die Wohnungsnot ist kein isoliertes Phänomen. Sie ist eine direkte Folge eines Wachstums, das politisch kaum noch gesteuert wird.

Direkte Demokratie als letzter Stabilitätsanker

Gleichzeitig zeigt die Studie: Das Vertrauen in die direkte Demokratie bleibt hoch. Volksabstimmungen werden als zentraler Stabilitätsfaktor wahrgenommen. Das ist entscheidend!

Die direkte Demokratie ist das Fundament unseres Zusammenhalts. Sie sorgt dafür, dass Spannungen kanalisiert und legitim entschieden werden – statt sich aufzuschaukeln. Wenn Menschen mitentscheiden können, akzeptieren sie auch schwierige Ergebnisse.

Doch genau hier liegt die politische Brisanz.

Bilaterale III: Demokratische Selbstbestimmung unter Druck

Mit den geplanten Bilateralen III soll die dynamische Rechtsübernahme ausgeweitet werden. Das bedeutet:
EU-Recht müsste in relevanten Bereichen künftig automatisch oder faktisch verpflichtend übernommen werden. Das schwächt die direkte demokratische Einflussnahme.

Zudem bleibt die Personenfreizügigkeit zentraler Bestandteil des institutionellen Rahmens. Eine weitere Vertiefung dieser Bindung dürfte die Zuwanderung aus der EU nicht bremsen – sondern strukturell verstetigen.

Mehr Zuwanderung bedeutet jedoch:

  • mehr Nachfrage nach Wohnraum
  • mehr Druck auf Mieten
  • mehr Infrastrukturkosten
  • mehr gesellschaftliche Spannungen

Und das in einem Land, in dem bereits heute viele Menschen Verdichtung, Hochhäuser und neue Bauzonen ablehnen. Wer Wachstum politisch entgrenzt und gleichzeitig demokratische Steuerungsmöglichkeiten relativiert, riskiert den gesellschaftlichen Frieden.

Demokratie und Mitbestimmung stärkt die Schweiz

Das Barometer macht deutlich: Zusammenhalt entsteht nicht durch moralische Appelle, sondern durch Demokratie und Mitbestimmung.

Wenn Menschen das Gefühl verlieren, dass sie Einfluss auf zentrale Entwicklungen wie Migration, Wachstum und Infrastruktur haben, sinkt das Vertrauen in Institutionen.

Die Schweiz lebt von drei Pfeilern:

  1. direkte Demokratie
  2. föderale Selbstbestimmung
  3. kontrollierbares Wachstum

Wer diese Pfeiler schwächt, schwächt den Zusammenhalt.

Fazit

Die Schweiz steht nicht vor einem akuten Zerfall – aber vor einer Richtungsentscheidung. Entweder wir steuern Bevölkerungsentwicklung, schützen demokratische Mitsprache und sorgen für nachhaltiges Wachstum. Oder wir akzeptieren steigende Wohnungsnot, zunehmende Spannungen und eine schleichende Aushöhlung unserer demokratischen Kontrolle.

Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist keine Selbstverständlichkeit.
Er ist das Ergebnis politischer Verantwortung und genau diese Verantwortung steht jetzt zur Debatte. Die Nachhaltigkeitsinitiative bietet der Schweiz die Möglichkeit, die Zuwanderung endlich nach ihrem Bedarf zu steuern und den nationalen Zusammenhalt zu stärken!

Entwicklung seit 2022

Bruttomieten+11 %
Wohneigentumspreise+13 %
Leerstehende Wohnungen-25 %
Reallöhne-2 %
Staustunden+44 %
Arbeitslosigkeit (SECO)+52 %
EU-Bevölkerung in der Schweiz+11 %

Zitat des Monats

«Bis 2026 sind Mietzins-Erhöhungen von über 15 Prozent möglich»

~ Martin Tschirren, Direktor des Bundesamtes für Wohnungswesen