Die Geburtenrate in der Schweiz ist auf ein historisches Tief gefallen. Mit nur noch 1,29 Kindern pro Frau liegt sie deutlich unter dem Niveau von vor wenigen Jahren. Noch vor vier Jahren lag sie bei rund 1,5 – bereits damals kein hoher Wert, aber deutlich stabiler als heute.

Diese Entwicklung kommt nicht zufällig.

Wohnkosten als zentraler Treiber

Mehrere Studien zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen steigenden Immobilienpreisen und sinkenden Geburtenraten. Wer sich keine grössere Wohnung leisten kann, verschiebt oder verzichtet auf Kinder.

Früher träumten junge Paare von einem Kinderzimmer. Heute sind viele froh, überhaupt eine bezahlbare Wohnung für zwei Personen zu finden.

Die deutsche Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) untersuchte den Zusammenhang zwischen Immobilienpreisen und Geburtenraten in 14 Ländern – darunter auch die Schweiz.

Die Ergebnisse sind deutlich:

  • In Norwegen und Schweden haben sich die Hauspreise zwischen 2000 und 2010 verdoppelt.
    Danach sank die Geburtenrate bis 2023 um mehr als 0,5 Kinder pro Frau.
  • In der Schweiz führte ein Preisanstieg von rund 30 Prozent zu einem Rückgang der Geburtenrate um 0,2 Kinder pro Frau.
  • In Deutschland hingegen blieben die Immobilienpreise in diesem Zeitraum stabil – und auch die Geburtenrate blieb konstant.

Der Zusammenhang ist klar:
Steigende Wohnkosten wirken wie eine Familienbremse.

Bevölkerungswachstum und Wohnraummangel

Gleichzeitig wächst die Bevölkerung der Schweiz seit Jahren stark. Wenn die Nachfrage nach Wohnraum schneller steigt als gebaut wird, verteuern sich Wohnungen automatisch.

Die Folge:

  • Höhere Mieten
  • Unerschwingliches Eigentum
  • Weniger Platz für Familien
  • Aufgeschobene oder aufgegebene Kinderwünsche

Während politisch oft über Fachkräftemangel diskutiert wird, wird ein anderer Effekt kaum thematisiert: Die eigene Bevölkerung gründet weniger Familien, weil der Wohnraum fehlt.

Das ist nicht nur ein wirtschaftliches Problem – sondern ein gesellschaftliches.

Eine paradoxe Entwicklung

Die Schweiz altert zwar vergleichsweise langsam, doch wenn junge Familien aus finanziellen Gründen auf Kinder verzichten, verschärft sich die demografische Schieflage langfristig trotzdem.

Hohe Wohnkosten führen zu:

  • sinkender Geburtenrate
  • stärkerer Abhängigkeit von Zuwanderung
  • weiterem Druck auf den Wohnungsmarkt

Ein Kreislauf entsteht.

Nachhaltigkeit bedeutet auch Familienpolitik

Nachhaltigkeit wird oft ökologisch verstanden. Doch sie hat auch eine soziale Dimension.

Eine nachhaltige Bevölkerungs- und Wohnungspolitik bedeutet:

  • Wohnraum für Familien bezahlbar halten
  • Infrastruktur an Wachstum anpassen
  • Zuwanderung und Wohnraumentwicklung gemeinsam denken
  • Lebensqualität sichern

Wenn junge Menschen das Gefühl haben, dass sie sich Kinder nicht mehr leisten können, läuft etwas grundsätzlich falsch.

Fazit

Die rekordtiefe Geburtenrate ist kein kulturelles Phänomen. Sie ist eine strukturelle Folge steigender Wohnkosten.

Wer die Wohnungsnot nicht ernst nimmt, riskiert langfristige gesellschaftliche Folgen:

  • weniger Familien
  • stärkere Spannungen
  • höhere Abhängigkeit von dauerhaftem Wachstum

Eine nachhaltige Politik muss deshalb den Mut haben, Wachstum, Wohnraum und Familienplanung zusammen zu denken. Denn eine Gesellschaft, die ihren eigenen Nachwuchs aus dem Markt preist, verliert mehr als nur Quadratmeter.

Mit der Nachhaltigkeitsinitiative kann man diese Entwicklung stoppen!

Entwicklung seit 2022

Bruttomieten+11 %
Wohneigentumspreise+13 %
Leerstehende Wohnungen-25 %
Reallöhne-2 %
Staustunden+44 %
Arbeitslosigkeit (SECO)+52 %
EU-Bevölkerung in der Schweiz+11 %

Zitat des Monats

«Bis 2026 sind Mietzins-Erhöhungen von über 15 Prozent möglich»

~ Martin Tschirren, Direktor des Bundesamtes für Wohnungswesen