Die Schweiz erlebt derzeit eine bemerkenswerte Entwicklung:
Während in verschiedenen Branchen Stellen abgebaut werden und die wirtschaftliche Dynamik schwächer wird, bleibt die Zuwanderung aus der EU auf hohem Niveau.

Diese Diskrepanz wirft eine zentrale Frage auf:
Wenn weniger Jobs entstehen – warum steigt die Zuwanderung weiter?

Zuwanderung folgt nicht mehr primär dem Arbeitsmarkt

Lange wurde argumentiert, dass die Personenfreizügigkeit vor allem arbeitsmarktgetrieben sei. Unternehmen holen Arbeitskräfte, wenn sie diese benötigen.

Doch die Realität zeigt zunehmend ein anderes Bild.

Trotz:

  • steigender Arbeitslosigkeit
  • sinkender Reallöhne in gewissen Branchen
  • schwächerer wirtschaftlicher Entwicklung

bleibt die Zuwanderung hoch.

Das deutet darauf hin, dass die Zuwanderung nicht mehr primär durch den Arbeitsmarkt gesteuert wird, sondern zunehmend durch strukturelle Faktoren.

Steigende Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt

Für die inländische Bevölkerung hat diese Entwicklung konkrete Auswirkungen.

Wenn gleichzeitig:

  • weniger neue Stellen entstehen
  • mehr Personen in den Arbeitsmarkt drängen

nimmt der Wettbewerb zu.

Besonders betroffen sind:

  • junge Berufseinsteiger
  • ältere Arbeitnehmer
  • Personen mit mittlerer Qualifikation

Die Folge:

  • steigender Druck auf Löhne
  • höhere Unsicherheit
  • wachsende Konkurrenz um Arbeitsplätze

Die direkte Folge: mehr Druck auf den Wohnungsmarkt

Was oft ausgeblendet wird:
Zuwanderung wirkt nicht nur auf den Arbeitsmarkt – sondern direkt auf den Wohnungsmarkt.

Mehr Menschen bedeuten automatisch:

  • mehr Nachfrage nach Wohnungen
  • steigende Mieten
  • sinkende Leerstände
  • zunehmende Verdrängung in Städten

Gerade in einem Land mit begrenztem Raum wie der Schweiz hat das unmittelbare Konsequenzen.

👉 Wenn die Zuwanderung hoch bleibt, während gleichzeitig weniger gebaut wird oder Verdichtung abgelehnt wird, verschärft sich die Wohnungsnot zwangsläufig.

Die Folge ist bereits sichtbar:

  • Familien finden keine bezahlbaren Wohnungen mehr
  • junge Menschen verschieben den Auszug oder die Familienplanung
  • der Mittelstand gerät zunehmend unter Druck

Fachkräftemangel – Realität oder politisches Narrativ?

Der Begriff «Fachkräftemangel» wird oft als Begründung für hohe Zuwanderung verwendet.

Doch die Realität ist differenzierter:

  • Engpässe gibt es punktuell – aber nicht flächendeckend
  • Löhne steigen nicht überall, wie es bei echtem Mangel zu erwarten wäre
  • in gewissen Bereichen nimmt die Arbeitslosigkeit sogar zu

Das zeigt:
Ein struktureller, allgemeiner Fachkräftemangel ist zumindest zu hinterfragen.

Wachstum ohne Steuerung hat Konsequenzen

Die Kombination aus:

  • hoher Zuwanderung
  • stagnierendem Arbeitsmarkt
  • begrenztem Wohnraum

führt zu einem gefährlichen Mix.

Die Folgen:

  • steigende Wohnkosten
  • zunehmende soziale Spannungen
  • wachsender Druck auf Infrastruktur

Die Wohnungsnot ist deshalb kein isoliertes Problem –
sie ist eine direkte Folge eines Wachstums, das nicht mehr ausreichend gesteuert wird.

Fazit

Die aktuelle Entwicklung zeigt:
Zuwanderung und Arbeitsmarkt sind weniger eng gekoppelt, als oft behauptet wird.

Wenn trotz schwächerer Wirtschaft die Zuwanderung hoch bleibt, entstehen neue Probleme – besonders auf dem Wohnungsmarkt.

👉 Die Wohnungsnot wird nicht trotz, sondern auch wegen dieser Dynamik verschärft.

Wer die Situation ernsthaft verbessern will, muss deshalb:

  • den Arbeitsmarkt realistisch analysieren
  • die Nachfrage nach Wohnraum berücksichtigen
  • und Wachstum besser mit Infrastruktur und Wohnraum abstimmen

Denn eines ist klar:
Ohne Steuerung verschärfen sich die Probleme – nicht nur im Arbeitsmarkt, sondern im Alltag der Bevölkerung.

Entwicklung seit 2022

Bruttomieten+11 %
Wohneigentumspreise+13 %
Leerstehende Wohnungen-25 %
Reallöhne-2 %
Staustunden+44 %
Arbeitslosigkeit (SECO)+52 %
EU-Bevölkerung in der Schweiz+11 %

Zitat des Monats

«Bis 2026 sind Mietzins-Erhöhungen von über 15 Prozent möglich»

~ Martin Tschirren, Direktor des Bundesamtes für Wohnungswesen