Die Wohnungsnot in der Schweiz wird oft mit zu wenig Bautätigkeit erklärt. Doch diese Darstellung greift zu kurz. Rund 60 Prozent der zusätzlichen Wohnraumnachfrage im letzten Jahrzehnt sind auf Zuwanderung zurückzuführen. Das bestätigt auch das Bundesamt für Wohnungswesen.

Diese Zahl ist zentral – und wird in der politischen Debatte dennoch häufig verdrängt.

Das Kernproblem wird ignoriert

Die Schweiz baut bereits viel. Trotzdem sinken die Leerstände, während Mieten und Immobilienpreise steigen. Der Grund ist offensichtlich:
Das Bevölkerungswachstum überholt den Wohnungsbau.

Solange jedes Jahr zehntausende zusätzliche Menschen in den Wohnungsmarkt drängen, kann selbst eine hohe Bautätigkeit die Knappheit nicht auflösen. Mehr Bauen bedeutet zudem mehr Infrastruktur, mehr Verkehr, mehr Kosten für Gemeinden und Kantone.

Die Bevölkerung spürt die Folgen

Umfragen zeigen klar: Die Menschen sorgen sich um steigende Wohnkosten, Krankenkassenprämien und die allgemeine Lebenshaltung. Dennoch wird jede Kritik an der Zuwanderung politisch relativiert oder moralisiert.

Die Folgen tragen nicht abstrakte Märkte, sondern:

  • Familien ohne Zugang zu bezahlbarem Wohnraum
  • junge Erwachsene ohne Perspektive auf Wohneigentum
  • Gemeinden mit immer weniger Handlungsspielraum

Warum die Nachhaltigkeitsinitiative zentral ist

Die Nachhaltigkeitsinitiative setzt genau dort an, wo die Politik seit Jahren ausweicht:
bei der Steuerung des Bevölkerungswachstums.

Sie stellt eine einfache, aber entscheidende Frage:
Wie viel Wachstum verträgt die Schweiz, ohne Wohnraum, Infrastruktur und sozialen Zusammenhalt zu überlasten?

Nachhaltigkeit bedeutet nicht Abschottung.
Sie bedeutet, dass Zuwanderung, Wohnungsbau und staatliche Leistungsfähigkeit wieder in ein Gleichgewicht gebracht werden.

Fazit

Wenn 60 Prozent der Wohnraumnachfrage durch Zuwanderung entstehen, kann dieses Thema nicht länger ausgeklammert werden. Wer die Wohnungsnot ernsthaft bekämpfen will, kommt an einer nachhaltigen Bevölkerungsentwicklung nicht vorbei.

Die Nachhaltigkeitsinitiative ist deshalb kein ideologisches Projekt, sondern eine notwendige Korrektur – im Interesse der Bevölkerung und der Zukunft des Landes.

Entwicklung seit 2022

Bruttomieten+11 %
Wohneigentumspreise+13 %
Leerstehende Wohnungen-25 %
Reallöhne-2 %
Staustunden+44 %
Arbeitslosigkeit (SECO)+52 %
EU-Bevölkerung in der Schweiz+11 %

Zitat des Monats

«Bis 2026 sind Mietzins-Erhöhungen von über 15 Prozent möglich»

~ Martin Tschirren, Direktor des Bundesamtes für Wohnungswesen